Kohlenpod 44 – Niemand fällt ins Bergfreie

14 Gedanken zu „Kohlenpod 44 – Niemand fällt ins Bergfreie

  1. Klasse Podcast! Mich würde es extrem freuen, wenn Du mal mit einem Bergarbeiter sprechen könntest, der als Gastarbeiter in den Pott gekommen ist und hier dann seinen Lebensmittelpunkt gefunden hat. Da gäbe es dann gefühlt 1000 Fragen:

    * wie gut hat die Integration funktioniert (auch seiner Familie)?
    * gab es damals schon diese Ausländerfeindlichkeit, die man heutzutage leider immer wieder mitbekommt?
    * was hätte man bei der Integration besser machen können?
    * hat er sich als Teil des Potts gesehen?
    * was hat er über die Deutschen gelernt?
    * usw.

    PS: Bitte bitte kein spaltendes Fussballgebashe. Es hören hier bestimmt viele Leute aus dem Pott zu und jeder hat so seinen Lieblingsverein. Den Ruhrpott verbindet aber eine besondere DNA des Zusammenhalts, die man schwer beschreiben kann, und den dieser Podcast ja auch zum Thema hat. Ich würde DNA so definieren: aufrichtig, ehrlich und anpackend.

    Da wirken dann so Aussagen wie “verbotene Stadt” usw. einfach sehr negativ und lassen einen schlucken. Könnte es z.B. nicht sein, dass es in der Hörerschaft Menschen aus Do gibt, die nicht gerade Ultras sind oder Stadiongänger, aber auf eine ganz normale Weise mit ihrem Verein mitfiebern? Was sollen die denn denken, wenn sie im Podcast sowas wie “verbotene Stadt” hören? Das fördert doch nur Feindschaft, statt zu verbinden.

    • Hallo Jan,

      in den kommenden Folgen kommen sicher noch weitere Bergleute zu Wort – und ganz sicher auch welche die Ihre Wurzeln nicht im Pott bzw. in Deutschland haben. Deine Anregung zu den Fragen nehme ich gerne auf.
      Auch deinen Hinweis bezüglich dem Fußball-Bashing nehme ich gerne auf – auch da werde ich früher oder später jemanden zu Gast haben der “anderen Farben” zugetan ist. Dann werde ich mir “Herne West” anhören und auch darüber grinsen. Die Zeiten der “Feindschaft” sind glücklicherweise vorbei (es gibt sicher Ausnahmen). Ohne dieses Gefrotzel würde sicher auch jedem Dortmunder, Bochumer und Schalker etwas fehlen – auch das ist Teil des Ruhrpotts (imho).

      Danke jedenfalls für den Kommentar und Glückauf.

  2. Noch ein Themenvorschlag:

    Die Energiewende kommt zwar nur langsam, aber wenn sie dann voll da ist, brauchen wir viele Energiespeicher um die tagesbedingten Fluktuationen im Netz abzufangen und auszuglätten. Da wir nicht überall klassische Pumpspeicherwerke aufbauen können, gibt es ja seit einiger Zeit die Idee, dass man Bergwerke zu Pumpspeicherwerken umfunktioniert:

    https://www.ingenieur.de/technik/fachbereiche/energie/unter-ruhrgebiet-entsteht-riesiger-energiespeicher-in-erde/

    Könnte man hier mal, quasi als versöhnlicher Ausblick, diese Technik beleuchten und mit Kumpels besprechen, ob sich das so überhaupt umsetzen lässt? Danke!

    • Sehr interessante Idee, auch weil sie, wenn man es weiterspinnt, vielleicht sogar die Möglichkeit eröffnen würde, weiter Kohle zu fördern … Frei nach dem Motto: Wenn das Pumpspeicherkraftwerk den Schacht (und einige sonstige Fixkosten) finanzieren kann, rechnet sich die Kohle vielleicht wieder. Ein dickes Vielleicht, aber eventuell etwas Hoffnung. Aber auch unabhängig von meiner überlegung ein interessantes Thema …

  3. Zur heutigen Sendung vielleicht noch ein Zitat …

    “Wenn es an der Ruhr brennt, hat der Rhein nicht genug Wasser, um die Flammen zu löschen.” (vermutlich Adenauer)

  4. Eine sehr bewegende Episode. Je mehr Folgen ich höre, desto mehr festigt sich bei mir der Eindruck, dass Bergmann nicht einfach ein Beruf, sondern eine Lebenseinstellung ist. Vor allem die Geschichte mit Schalke ging mir sehr nahe. Wenn ein Fußballverein sich so intensiv und ehrlich mit dem Bergbau identifiziert, beginne ich zu ahnen, wie viel mehr Sport sein kann als der Kampf um Tabellenplätze.

  5. Nicht nur in den Zechen waren die Gewerkschaften gut vertreten.
    Ich habe in den 90ern in Duisburg meine Ausbildung als Elektriker bei Thyssen gemacht, und selbstverständlich war beim Ausbildungsvertrag auch der Aufnahmeantrag für die IG Metall dabei – ab einer gewissen Größe war es wohl schlicht einfacher, alle in die Gewerkschaft zu bringen und sich mit deren Vertretern zu treffen, als sich mit jedem einzeln über einen Vertrag zu streiten…

    • Hallo Ranthoron,

      danke für die Info – Du hast sicherlich recht. Ich glaube das diese nahezu 100% Gewerkschaftsquote in allen Bereichen der Montan-Industrie üblich war.

      Glückauf aus Herten

  6. Tolle Serie. Wird mein Pick in meinem eigenen mikrooekonomen-Podcast. Etwas Heimatliebe muss sein 🙂

    Aber eine Korrektur muss ich jetzt reinwerfen, weil es schon zum zweiten Mal falsch gesagt wird: Die Kohleförderung sinkt weltweit und steigt nicht. Das ist jetzt auch kein kurzfristiger Trend, sondern schon seit ein paar Jahren so:

    https://www.heise.de/tp/news/Kohle-Globale-Foerderung-geht-zurueck-3797571.html

    In unseren sehr guten Steinkohlekraftwerken in Deutschland, die die Steinkohle zum bestmöglichen Preis einkaufen, rechnen sich schon nicht mehr. Selbst hier sind Solar- und Windkraft schon preiswerter (wenn auch nicht zuverlässiger). Wenn du in Regionen kommst, in denen die Sonne wirklich kräftig und dauernd scheint, ist die Rechnung pro Solar noch viel eindeutiger. In Dubai, Peru, Ghana, … wird Solarenergie für 3 Cent/KWh erzeugt, da kannst du ein Kohlekraftwerk gar nicht für betreiben …

    Klar, die Zuverlässigkeit (es gibt auch Strom in der Nacht) der Kohlekraftwerke gibt der Kohle noch eine Chance in Entwicklungsländern. Aber der Markt wird kleiner. Es ist nicht nur Solar, sondern auch Erdgas, das zB in den USA durch Fracking massig und preiswert zur Verfügung steht. Gas-Kraftwerke gibt es, Kosten liegen deutlich unter den Kosten für ein Kohlekraftwerk. Und da reden wir von Kohlekraftwerken, die direkt neben der Kohle (die in 40-Meter-dicken Schichten liegt) stehen. Daran ändert auch Trump mit seiner Kohle-Politik wahrscheinlich nichts mehr. Das Fracking-Gas ist einfach billiger.

    Für Kohle und Koks wird in der Stahlindustrie wohl noch länger ein Markt bleiben, in der Stromerzeugung jedoch wird die Kohle (auch weltweit) immer unwichtiger, auch für Heizzwecke sehe ich keinen Markt (mal ernsthaft: Will jemand den Mief zurück? Kohle verbrennen in Kleinöfen ohne Filter? ).

    Wenn man es viel einfacher haben will: Wenn irgendwie eine CO2-Steuer eingeführt wird (die Höhe ist fast egal), ist die Kohle tot, weil sie schlicht am meisten C (Kohlenstoff) pro Energie enthält und am meisten CO2 bei der Verbrennung entsteht (in Öl und Gas sind auch Hs (Wasserstoff) drin, die zu H2O (Wasser) verbrennen und somit für diesen H-Teil Energie liefern, ohne dass CO2 entsteht. Egal wie man den Bergbau liebt (mein Oppa würde heulen, wenn er noch mitbekommen würde, dass Ende 2018 der Bergbau im Pott Geschichte ist), aber an dieser simplen Chemie wird die Kohle irgendwann scheitern. Und nun ja, am Ende ist der Klimawandel auch das größere Problem als das bisschen Bergbau im Pott. Wir schaffen das schon hier im Pott 🙂

  7. Hallo,

    ein super Podcast! Als Bj. 85 hab ich eigentlich nix mehr vom Ruhrbergbau mitbekommen, bin aber sehr Technik affin und sauge alles auf was mit Montanindustrie zu tun hat. Den LaPaDu kann ich da sehr empfehlen, wo sonst kann man einen kompletten Hochofen erklimmen? Zwei kleine Kritikpunkte hätte ich aber:

    1. Der Fussball nimmt eine zu grosse Rolle ein. Als schwatzgelber Anhänger muss ich nicht gefühlt alle 10 Sätze hören wer in welchem Block steht in der Turnhalle 😉 Nach meinem Geschmack könnte das Thema komplett raus gehalten werden.

    2. Die Soundqualität. Ich weiss, in der heutigen Zeit ist man als Podcasthörer hervorragende Qualität gewohnt. Gerade mit Gästen ist es schwierig jedes mal zu vermitteln wie man sich am Mikro verhält. Bei Folge 44 und die Geologenfolge (meine Lieblingsfolge) merkt man leider sehr, dass die Gäste wahrscheinlich Barträger sind, es raschelt doch sehr. Auch ist das starke Atmen ins Mikro über Kopfhörer nur schwer hörbar. Das ist meckern, auf hohem Niveau, aber nur durch Kritik wird man besser ;).

    Ansonsten gilt, weitermachen!

    Gruss

    • Glückauf Seb,

      ja, der Fussball … steckt so drin – aber ich werde mir Mühe geben.

      Zur Soundqualität – ich hatte einen Denkfehler in meinem Workflow mit Auphonic – sollte jetzt besser werden.

      Und konstrukive Kritik schadet nie und ist immer gern gelesen.

      Christian

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