Glückauf!

Herzlich willkommen zu Kohlenpod – einem privaten Podcast-Projekt zum letzten Jahr des Steinkohlebergbaus in Deutschland.

In diesem Podcast möchte ich das letzte Jahr des Steinkohlebergbaus im Ruhrgebiet – dem Kohlenpott – begleiten. Hierzu ist geplant jeden Sonntag eine kurze Episode zu veröffentlichen, mit Geschichten rund um den Bergbau und hoffentlich vielen spannenden Interviews mit aktiven und ehemaligen Bergleuten und Menschen die die Vergangenheit kennen, im Heute leben und an der Zukunftsgestaltung der Region teilhaben.

24 Gedanken zu „Glückauf!

  1. Glück Auf aus Duisburg.
    Tolle Sache was hier auf die Beine gestellt wurde bzw. wird. Bin als alter Bergmann / Steiger natürlich dabei und werde dieses Projekt verfolgen.
    Klasse Hauer 👍
    ⚒von den Loddar

  2. Stärke der Grubenwehr S&E 1981 87 Mann 1 Oberführer 5 stellv. Oberführer 19 Truppführer 47 Wehrmänner 4 Sondermitglieder 1 Hauptgerätewart und 10 Gerätewarte .

  3. Als Exil-Norddeutscher, IT-Ler, aufgewachsen in der Öko-Bewegung der 80er, könnte meine Distanz zum Kohlebergbau kaum größer sein. Als es um die Zechenschließungen ging, dachte ich mir: Naja, schlimm für die Arbeitsplätze, aber an sich sollen die doch froh sein, dass sie aus diesen Dreckslöchern rauskommen und irgendwo unterkommen, wo sie sich nicht halb totrackern müssen und dazu noch die Umwelt zerstören.

    Auf der anderen Seite interessierte ich mich, aufgewachsen in einem ur-sozialdemokratischen Haushalt, immer für die Arbeiter- und Industriekultur. Mir war klar, dass dieses Land über mehr als ein Jahrhundert vor allem ein Industriestaat war, und dass die Arbeiterbewegung dieses Land sehr stark geprägt hat. Die Haltung, für ehrliche Arbeit auch gutes Geld und anständige Lebensbedingungen erwarten zu können, ging ganz entscheidend von den großen Industrie-Ballungsräumen und damit auch von den Zechen im Ruhrgebiet aus. Heute sieht man von dieser Zeit nur noch wenig. Die meisten Fördertürme sind abgebaut, viele Stahlhütten verschwunden. Wer heute mit der S-Bahn von Oberhausen nach Hattingen fährt, ahnt allenfalls anhand der alten Strassenbreite und einiger Industrieruinen an der Strecke, was hier einmal losgewesen sein muss. Ob Landschaftspark Nord in Duisburg oder Westpark in Bochum – meine Generation hat nur eine grobe Vorstellung von der immensen Größe und Bedeutung, welche diese Fabriken einst gehabt haben müssen.

    Trotzdem war mir unter anderem die Bergbaukultur immer fremd geblieben. Ich konnte nicht verstehen, warum die dort Beschäftigten so ein Gewese um ihre Arbeit veranstalteten, warum sie ihre Arbeit in Liedern glorifizierten, warum sie in Traditionsvereinen ihrer Geschichte huldigten. Ich war immer froh, hinter meiner Tastatur ein vergleichsweise entspanntes Leben zu führen – ohne Dreck, Schichtbetrieb, Explosionsgefahr, Staublungen und vergleichsweise knickriger Bezahlung.

    Durch diesen Podcast hat sich für mich einiges geändert. Ich erfahre, wie die Welt unter Tage sich komplett von meiner Lebenswirklichkeit unterscheidet, dass Solidarität und Zusammenhalt nicht nur oberflächliche Lippenbekenntnisse sein können, sondern eine tief in der Persönlichkeit verwurzelte Grundhaltung, eine lebenswichte Voraussetzung für die Arbeit als Bergmann. Dieser Wesenszug zieht sich durch alle Folgen, die ich bisher gehört habe. Diese Leute haben ihre Arbeit geliebt – nicht nur, weil sie interessant war, sondern vor allem auch wegen des Zusammenhalts und des Füreinander-Einstehens. Wenn man das erst einmal kennen und schätzen gelernt hat, scheint mir, kommt einem jede andere Arbeit irgendwie falsch vor. Es fehlt die Herausforderung, und die Kollegialität reicht nie an das Kumpelhafte heran.

    Da ich viel mit Kollegen der IG BCE rede, fällt mir immer wieder auf, wie wenig mein Öko-Weltbild mit deren Auffassung in Einklang zu bringen ist. Während ich im Bergbau vor allem die Umweltauswirkungen sehe, begreifen Bergleute ihre Arbeit als das, was viele Jahrzehnte lang dieses Land überhaupt am Leben gehalten hat, es mit Energie, Stahl, Autos und Wohlstand versorgt hat. Wahrscheinlich werden wir nie auf einen gemeinsamen Nenner kommen, aber wenigstens kann ich sie letzt langsam verstehen und auch Sympathie für sie empfinden.

    Vielen Dank dafür.

    • Ich, Mitte der 80er geboren und nach einer handwerklichen Ausbildung und Fachhochschulstudium in der Nachrichtentechnik gelandet, habe genau die von die beschriebene Einstellung noch nie verstanden. Ein typischer Clash of Culture.

    • Hallo Nuncius,

      vielen Dank für den ausführlichen Kommentar – ich musste beim lesen echt ne Träne verkneifen – tut gut zu erfahren, dass ich mit diesem Projekt nicht nur Hörer*innen “unterhalte” sondern auch tatsächlich etwas bewege.

      Glückauf aus Herten

      Christian

  4. Ja Dreckslöcher sind es gewesen ! mit 35 Grad und Staub ohne Ende zum Teil nicht einmahl 60 cm hoch ,Und wenn ich nicht mit 15 Jahren schon dabei gewesen währe ,hätte ich nie und nimmer so lange (35 Jahre ) aufen Pütt MALOCHT ,aber es wahr eine gute zeit 1975 ist alles im Umbruch gewesen ,und meine Zukunft wahr noch sicher( 50 Jahre Kohle auf Schlägel & Eisen ) das bedeutet Zukunft , doch hatte ich mir dass etwas anders vorgestellt ,anstatt auf der Seilscheibe (das heisst am Ort ) habe ich das Ganze Ruhrgebiet kennen gelernt bis zum Saarland ,und jedesmahl wider von vorne angefangen. Aber ich bin immer gerne Bergmann gewesen . Selbstverständlich mache ich mir Sorgen um unsere Umweld ,und ich möchte nicht wissen wie mein Fussabdruck aussieht , da habe ich zu der Zeit auch noch nicht darüber nachgedacht , in der heutigen zeit ist die Information ja besser, mein Vader musste 6 Kinder durchbringen und ein Haus abzahlen, und an der Ruhr iss dad nu mahl Stahl oder Kohle.Aber für dein Verstäntnis sei dir gedankt ,und ich hoffe das dein Urteil nicht so hard über uns ist , denn was so viele vergessen haben ist (das schwarze Gold hat uns wieder hochgeholt ) und wir würden heute nicht da stehen wo wir jetzt sind , Gückauf euch allen

  5. Für “Nicht- Ruhries” wäre eine Vorstellung der Arbeitszeit Modelle schön.
    Beginn der Schicht in der Kaue oder erst “vor Kohle”, oder Betreten Zeche und Verlassen Zeche.

    Unklar ist mir noch, wie es ging, wenn nach dem Sahnetortenmodell vorne abgebaut wird und hinten der Berg runterkommt. Wie kommt der “Bagger” dann wieder da raus?

    Dumme Fragen, aber ich versuche da mit zu erleben. Der Podcast ist Klasse, weiter so!!!

    • Glückauf Rainer,

      danke für die Anregung – da werde ich in einer der nächsten Folgen mal nachfragen.

      Zu der Sahnetorte suche ich mal ein Bild raus (hab schon Leute gefragt ob ich Bilder verwenden darf – leider bisher ohne Antwort).
      Sobald ich das ok habe verlinke ich die – bin diese Woche etwas knapp mit der Zeit – aber es wird sicher immer klarer.

      Und dumme Fragen gibt es nicht – das Thema ist sehr komplex (wie ich ständig erfahre 😉 )

      Gruß aus dem Pott

      Christian

  6. Die Schicht beginnt erst kurz vor der Seilfahrt (heißt dem Betreten des Fahrstulhls nach unten ) die Stempeluhren sind in der Lampenstube gewesen (wo der Kumpel seine Lampe u. seinen Filterselbstretter CO. Filter abgeholt hat ) Ende Schicht hat er da auch Gestempelt (Ausfahrt ) das heißt bei einer 8 Stunden Schicht ca.9 Stunden auf der Schachtanlage,wenn er schnell gewesen ist .Der Abbau ging so von statten das die Walze an der Kohle lang gefräßt hat (das heißt Schnitt ca.80 cm Kohle ) danach kam der Ausbau das Schild ca.6 bis7 m lang ,und dann der Bruch (der Alte Mann ) also ist immer ein Raum von ca. 8 m offen gewesen . Und die Kohle wurde mit dem Panzer gefördert , auf dem die Walze gelaufen ist .(der Panzer das sind 2 ketten die durch einen Mittnehmer verbunden sind ,und in einen Trog liegen) die Kette ist endlos gewesen und hat die Kohle zum Haubtantrieb gezogen , wo sie dann in einen anderen Panzer den Streckenpanzer weiter befördert wurde . Reiner ich hoffe das hilft dir weiter .Glückauf !

    • Glückauf!
      Da, das hilft weiter, plane demnächst Zeche Nachigall zu besuchen, da wird es wohl endgültig verstaqnden werden.

      Glüclauf Rainer

  7. Hallo Christian,

    Vielen Dank für den interessanten Podcast, nach 3 Tagen Binge-Listening bin ich nun bei Folge 42 angekommen und hab viel neues über den modernen Bergbau gelernt.
    Bergbau ist eine heimliche Leidenschaft von mir, mein Onkel war Steiger in Bergkamen und so kam ich schon in jungen Jahren in den Genuss von Grubenlampe, Arschleder, Keilhaue und Mottek.
    Meine Familie kann da auch ein Lied von singen kein Schaubergwerk dass ich nicht im Urlaub mitnehme auch wenn der Rest der Familie behauptet dass sie alle gleich aussehen faszinieren sie mich ungemein.
    Ich freue mich schon auf die weiteren Folgen!

    Glückauf
    Steve

  8. Hallo Christian, ein wunderbares Projekt hast Du da aufgezogen. Vielen vielen Dank dafür.

    Ich habe vom Kohlenpod über den Logbuch Netzpolitik Podcast erfahren und bin erst jetzt vor einigen Tagen eingestiegen. Toll, diese ausführlichen Einblicke in die Bergbaukultur.

    Ich bin Saarländer und kenne den Saar-Bergbau initial noch von meinem Opa, der auf Grube Luisenthal und Bergwerk Warndt in den sechziger Jahren eingefahren war. Er hatte unmittelbar vor dem größten deutschen Grubenunglück in Luisenthal 1962 die Nachtschicht und ich kann mich gut erinnern, wie er davon erzählt hat, dass er dann am Morgen direkt wieder bei den Bergearbeiten geholfen hatte.

    Die Geschichten und die Industriekultur an der Saar haben mich mein ganzes Leben immer fasziniert und ich hatte das Glück, ein Dreivierteljahr vor Schließung des Bergwerks Saar in Ensdorf selbst einmal noch eine Grubenbefahrung erleben zu dürfen, die im Rahmen einer achtstündigen Sonderführung statt fand.

    Ich habe einen Heidenrespekt vor allen Bergleuten, die in dieser Welt ihr Berufsleben verbracht haben und hoffe, dass dieses Stück Kulturgeschichte ob an Ruhr oder Saar weiteren Generationen noch lange im Bewusstsein bleibt.

    Viel Erfolg weiterhin für den Kohlenpod wünscht

    Jochen aus Saarbrücken

  9. Glück auf aus Schwaben!
    Ein sehr tolles Projekt für mich als Bergmannskind. Mein Vater und mein Opa waren beide Fördermaschininisten, mein Onkel Steiger, und ich bin am Rande des Ruhrgebietes groß geworden (Schachtanlage Königsborn). Daher fühle ich mich den Kumpeln und der Lebensphilosophie sehr verbunden.
    Selbst durfte ich in den Ferien im Bergbau arbeiten, allerdings am Schacht Gorleben, wo es ja nicht um Kohle ging. Aber das hat meine Einstellung zum Leben und zur Arbeit mit geprägt. Der Zusammenhalt der Jungs ist einfach toll. Allerdings bin ich auch froh, dass ich nicht im Bergbau gelandet bin und einen schnöden Bürojob habe. 😁
    Weiter so, kann die nächsten Folgen kaum erwarten.
    Glück auf!

  10. Glückauf Christian,
    als Hörer der ersten Stunde kam mir heute die Idee alle Podcasts herunterzuladen und so auch offline nutzen zu können. Und natürlich als langfristige Archivierung für später. Leider funktioniert der Download Button nicht für echte downloads, sondern “nur” zum Direkthören. Hast Du Ideen zur Realisierung, oder ggf. schon mal an ein Hörbuch aus allem Episoden gedacht?
    Weiter so und noch spannende weitere Folgen,

    Glückauf ,
    Rainer

    • Hallo Rainer,

      hörst Du die Folgen am PC? Wenn Du ein Handy/Tablett nutzt kannst du den Podcast “abonnieren” – bei Apple gibts dafür eine vorinstallierte App (Podcast), für Android und Apple gibts im Playstore oder Appstore diverse, auch kostenlose Apps. Da hast du dann alles archiviert. Ich schaue mal ob ich noch einen Button zum Download auf den PC einbauen kann.

      Glückauf aus Herten

      Christian

      • Danke für die schnelle Antwort, ich kenn die iphone App nutze diese auch, aber wenn ich davon ausgehen, daß die nächsten Folgen eine ähnliche Länge haben werden, läuft mein Speicher voll. Dann lieber auf dem PC und externen Platten sichern.

        Glückauf Rainer

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